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 Die Reise nach Arathor

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Ameley
Gildenführung
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BeitragThema: Die Reise nach Arathor   Mo Jul 22, 2013 4:30 pm

Es war einmal vor langer langer Weile, da wollte der liebe Ticks eine WoW-Pause zugunsten Skyrims einlegen.
Um Ame und Art eine Begründung zur Abwesenheit zu geben, sollten die beiden nach Menethil reisen.
Aus der WoW-Pause wurde nichts, da sich die ganze Sache in einen zweiwöchigen Plot wandelte, den ich anno dazumal geschichtlich zusammengeschrieben habe. Die Inhalte der Reise sind ic nicht bekannt, da sie von Art und Ame nie berichtet wurden.
Ein Teil der Geschichte enthält Inhalte, die einigen Lesern in ihren Moralvorstellungen sauer aufstoßen könnten. Diese teilweise gewaltenthaltende Inhalte habe ich in einen Spoiler gefasst. Ein Lesen erfolgt daher auf eigene Gefahr und mit dem Hinweis, dass sich Meinungen zu Spielercharakteren ändern könnten. Eine gewaltfreie Zusammenfassung folgt dem Spoiler.

Die Nsc's der Geschichte wurden gestellt von: Ceinlyn, Scoundrel, Wusel, Owens und Aranka. An dieser Stelle nochmals vielen lieben Dank dafür, auch wenn nur eine von Vieren dies lesen dürfte Smile

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Die Sonne war bereits weit in Richtung Horizont fortgeschritten und verkündete der Welt, dass sie dem Abend näher waren als dem Mittag, als die beiden Gilneer, beladen wie für eine weite Reise mitsamt ihrem Hund die Tiefenbahn betraten. Der laue Sommertag den sie hinter sich ließen, hatte mit seinem klaren Himmel, kleinen Federwölkchen und zwitschernden Vögeln wohl alle Eigenschaften verinnerlich, die in Artjoms Augen als ausgemachtes Dreckswetter galten.
„Wann bist du eigentlich das letzte Mal weiter aus der Stadt raus, als Dämmerwald?“ Ticks wandte sich an Ameley, die beim Betreten des metallenen Ganges vorsichtshalber ihre Zigarette austrat. „'S länger her... war letzten Winter mit den anderen.“
Ihre Aufmerksamkeit wurde von einem kleinen Winken aus der rechten Seite der Tiefenbahnhalle abgelenkt, wo ein kleiner … oder auch normalgroßer Gnom hinter seinem Fahrkartenschalter her zu sich herüberfuchtelte.
„Willkommen in der Tiefenbahn. Ich nehme an, sie wollen Fahrkarten? Zwei Silber pro Person, dazu bieten wir zudem kalte Getränke wie Apfelsaft, Taunka, Wasser, außerdem Süßwerk und Häppchen. Was darf's sein?“
Zwei sparsame Blicke fielen auf das nickelbebrillte Gesicht des Kleinwüchsigen, der sich der gesamten, schmächtigen Länge nach aus seinem Schalter lehnte und auf ein kleines Pappschild klopfte, auf dem in Klotzbuchstaben „Schalter 1 – 2 Silber pro Person“ geschrieben stand.
„Wie.. Fahrkarten? Ist das Ding papierbetrieben und fährt nicht ohne?“
„Natürlich fährt das ohne, aber wagt es nicht hier ohne zu fahren!“, zeterte das kleine Wesen. „Wie sollen wir die seit Jahren anstehende Wartung finanzieren, wenn hier dauernd Leute ohne .. - eh ich meine, … wollen sie vielleicht ein paar Nüsse dazu?“
Einige vergebliche Feilschversuche später, standen zwei Gilneer und ein Mastiff auf dem teils Rost ansetzenden Waggon der Tiefenbahn und rauschten in Richtung Eisenschmiede, während Ticks der eine oder andere unflähtige Fluch über Gnome und ihre Erfindungen über die Lippen kam.





Ameleys letzter Besuch in Eisenschmiede lag bereits einige Zeit zurück. Dass sie bei dieser Gelegenheit kaum etwas von der Stadt gesehen haben konnte, zeigte sich beim Anblick der großen Schmiede auf ihrem Gesicht. Doch auch Ticks stand mit beeindruckter Miene vor den Ströhmen geschmolzenen Metalls, das zur Fertigung von Waffen und mehr, im Stadtzentrum von irgendwo oberhalb Eisenschmiedes bis nach unten in gewaltige Becken lief. Man hielt sich jedoch nur kurz auf, das beschäftigte Wuseln eines guten Dutzend Zwerge um sie herum hatte wenig von Raststimmung, weswegen der Weg zu den Toren der Stadt wieder aufgenommen wurde.
Dort angelangt flutete nach der brüllenden Hitze der Schmieden, die vermutlich einen ganzen Satz Nasenhaare gekostet haben mochte, die Eiseskälte von Dun'Morogh über sie hinweg und kroch wie tausend kleine Tiere durch jede Ritze und jeden Spalt ihrer Kleidung. Ein Frösteln ergriff Ameley, die sogleich ihren Umhang aus der Tasche zerrte; ein altes verschlissenes Ding, das bereits vor Jahren von anderen Leuten ausser Dienst gestellt worden wäre, ihr aber noch immer Wärme an kalten Tagen zu spenden vermochte. Artjom trug seinerseits bereits seinen felligen Umhang. Die Kapuzen wurden hinaufgezogen, die ersten, knarzenden Schritte in die weiße Welt des Zwergenreiches gesetzt.
Gordon, der noch nie zuvor in seinem jungen Leben tatsächlichen Schnee gesehen hatte, zog den einen oder anderen belustigten Blick auf sich, als er den Schnee anfangs anbellte, aufwirbelte, sowie versuchte das eine oder andere Maul der weißen Gefrierung zu apportieren, was jedes Mal lediglich sabbriges Wasser hervorbrachte.
Einige Stunden mochten sie bereits durch die eisige Umgebung gestiefelt sein, recht schweigsam angesichts der Tatsache, dass jedes Sprechen unnötige Bewegung der ohnehin tiefgekühlten Lippen zur Folge hätte. Lediglich durchbrochen wurde die Stille von einem Fluchen Artjoms, der sich einmal langlegte, sowie der Aufforderung Ameleys zu einer zünftigen Schneeballschlacht, die jedoch auf Ablehnung traf, als Artjom plötzlich nach vorne deutete. Ein kleines Lager wurde von einem qualmenden Lagerfeuer angekündigt, nach einigen Metern ließen sich sowohl zwei Zelte, als auch der Wagen, wie ihn fahrende Händler nutzen, erahnen.
„Vielleicht 'ne Gelegenheit unsere Vorräte noch ein wenig aufzusparen.“
Art schritt bereits zuversichtlich voran, während Ameleys Paranoia auch hier in der frostigen Einöde noch die Oberhand gewann und die Gilneerin nur langsam und sich umsehend folgen ließ.
Ihr Blick fiel auf eine Handvoll Zwerge, sowie eine Frau mit dunklen Haaren, die eindeutig menschlich und noch eindeutiger zu leicht bekleidet für diese Gefilde schien. Trotz des bauchfrei geschnittenen Kleides, schien diese Vertreterin der gemeinsamen Rasse keineswegs zu frieren, sondern lächelte den beiden herzlich entgegen.
„Ja was seh ich denn? Menschen in diesen Landen sieht man nur allzuselten. Kommt ran, kommt ran, ich biet' euch so einiges!“
Ihre Hand verwies auf die Auslagen der Händlerkutsche, deren Glasbehältnisse allerlei unappetitlichen Inhalt darboten. Diverse Wurzeln, eingelegte Sumpfbewohner, allerlei bräunliche Schmieren und einiges mehr reihte sich in einem herben Durcheinander auf der Auslage.
„Die gute Mila wird schon was für euch dabei haben. Wie wär's mit'm Trank von der Sumpfhexe?“ Ihr Blick fiel auf Artjom und ihr Grinsen weitete sich noch ein bisschen mehr. „Ich hab hier auch noch eingelegte Froschaugen in Honigminzsauce. Geheimrezept vom Rauschebart!“ Mit einem hexengleichen Kichern wurde auf einen der Zwerge verwiesen. „Soll auch dein Dingelchen wieder reaktivieren, so frisch siehst mir ja nicht mehr aus!” Sie zwinkerte Art zu, dessen Begeisterung sich in Grenzen zu halten schien.
“Dem Dingelchen geht's prima, habt'er auch was Anständiges da?”
Mit einem etwas leeren Blick wurde Art noch ein wenig angestarrt, ehe Mila wieder blinzelte und Artjom grüßend zunickte. “Hallo auch, Menschen hier in Dun'Morogh? Welch Seltenheit! Kommt ran, kommt ran. Ich kann euch das Elixier der Sumpfhexe anbieten, das wirkt wahre Wunder!”
Zum zweiten Mal an diesem Tag wurden ein paar sparsame Blicke auf einen Verkäufer gerichtet, Mila indess verwies weiterhin gestikulierend auf ihre Auslagen und redete von Sumpfhexen und unvergleichlichen Angeboten.
“Schert euch nicht zu sehr um Mila, die Kleene hat einfach zuviel vom Sumpfkraut geraucht.” Der Zwerg auf den zuvor noch verwiesen wurde, meldete sich ungefragt zu Wort. “kauft was, oder lasst sie in Ruhe, sie weiß es nicht besser.”
Artjom und Ameley tauschten einen vielsagenden Blick, wärend Mila bereits auf sie zugeschritten kam.
“Oh Menschen? Hier? Was für eine Überraschung. Ich bin Mila!”



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Ameley
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BeitragThema: Re: Die Reise nach Arathor   Mo Jul 22, 2013 4:35 pm

Nach der eisigen Kälte Dun'Moroghs war der erste Schritt aus dem steinernen Gang, der durch das Gebirge führte, wie das Eintauchen in ein warmes Bad, was Ame sich strecken ließ. Die erste buschige Gebirgsblume wurde durch die Hände wandern gelassen und ein Blick zum Himmel geworfen.
“Sag mal Ticks, wie heißt das hier?”
“Das ist Loch Modan.. gehört auch noch den Zwergen, soweit ich weiß. “ Sein Blick wanderte ebenfalls nach oben und blieb an den tief hängenden Federwölkchen hängen, die entgegen dem tiefblauen Himmel in einem dunklen Rotton erstrahlten. “Rote Wolken? Hier muss 'ne Gnomenepidemie herrschen, wer käme sonst auf so'ne lächerlichen Ideen?”.
Ameleys Blick hingegen huschte bereits wieder durch die Umgebung. Nadelbäume, Wildblumen und einige Widder an den Berghängen fielen ihr ins Augen und ließen ihre Mundwinkel nach oben wandern. “Sag mal Ticks... findest du nicht auch, dass es ein wenig Gilneas an warmen Tagen ähnelt?”
Art nickte zustimmend und schritt weiter voran. “Wenn's in Sturmwind mal unerträglich wird, kann man's sich hier mal überlegen...”



Die mit Steinen erschaffene Straße führte sie beide zu einem Dorf, das versteckt in einer Senke des hügeligen Landes führte. Aus Stein gehauen und traditionell in die Berghänge hineinführend, schmiegten sich die niedrigen Häuser dicht an dicht, ab und an von gewundenen Gassen oder aufragenden Tannen voneinander getrennt.
Der Blick der Gilneerin wanderte zu einem Haus, das als Taverne “Zum Starkbierlager” ausgeschildert war und weiter hinauf zu dessen Dach, auf dem ein gewaltiges Bierfass trohnte. In die Wand eingelassen waren ebenfalls einige Fässer, deren Zapfhähne wohl im Taverneninneren zu finden waren.
“Ey Ticks... um was wetten wir, dass es hier Bier gibt?”
Das Innere der Taverne entpuppte sich als eine steinerne Gastronomie im rustikalen Stil. Im gemeißelten Kamin prasselte ein wärmendes Feuer, Zwerge und einige nichtzwergische Wanderer saßen oder standen an Tischen. Es herrschte die ausgelassene Stimmung einer Dorfkneipe am frühen Abend. Hier und da wurde angestoßen, diskutiert oder gelacht. Ab und an stimmte wer mit bassiger Stimme ein Sauflied an, in das sich mal mehr, mal weniger Saufgenossen einbanden.
Zwei Abendbrote wurden bestellt, sowie ein Zimmer, auf das die Sachen gebracht wurden, ehe man sich an einen der etwas abseits stehenden Tische setzte, um die Strapazen des vergangenen Tages mit kräftigem Essen und warmem Met zu vertreiben.
Kaum waren sie halb fertig mit ihrem Mahl, gesellte sich jemand zu ihnen. Ein Zwerg, sichtlich in die Jahre gekommen und der milchig trüben Augen nach völlig erblindet, trat an ihren Tisch.
“Na, was hören meine alten Ohren da? Ihr beiden stammt wohl nicht aus der Gegend, hm?”
“Hörst richtig, Opa. Sind nur auffer Durchreise, Richtung Menethil.” Art, scheinbar unerfreut darüber, dass man ihnen zugehört hatte, musterte den Zwerg seiner schmächtigen Länge nach, wärend Gordon bereits die ihm zu beschnuppern angebotene Zwergenhand beschlabberte.
“Owens”
“Owepa”
“Passt.” , der Alte nickte. “Menethil, die Stadt der Sümpfe. Ich könnte euch Geschichten erzählen, Jungchen. Was dagegen, wenn ich mich setze? 'Ch lad euch auch ein, ne?”
“Danke, sind versorgt. Aber setzen kannst dich.”
In einem Anfall von Zuvorkommenheit, die sogar Ameley noch zu überraschen schien, erhob Art sich und bot dem erblindeten Zwerg seinen Platz an, den dieser auch gleich in Beschlag nahm.
“Ach wat, ach wat, da geht noch was rein.” Der alte Zwerg nickte zuversichtlich und erhob die Stimme zu einem Blöken, das quer durch die Taverne bis in die Küche hallte. “EH, MAUSERL. MACH' MAL DREIMAL HÄGGIS FÜR MICH UND MEINE GÄSTE!”
Die Antwort kam in gezetertem Zwergisch aus der Küche, das den alten Zwerg schmunzeln ließ.
“Aaah jajajaja, ist doch ne ganz Liebe... nundenn, Menethil sagtet ihr. Nicht mehr das schönste Reiseziel für so junge Hüpfer. Was treibt euch in diese Gegend?”
“Wir suchen wen, der uns 'n wenig weiterhelfen kann. Mehr kann ich nicht direkt sagen.” Ameley blickte zu Ticks, der recht unwirsch mit den Schultern zuckte.
“Naja.. wollen wie gesagt nicht lange bleiben... aber erzähl' mal was über die Gegend, Kurzer. Warum habt ihr hier rote Wolken?”
“Rote Wolken, ah.. ja das ist wegen der Kupferdämpfe die die Gnome inne Luft pusten. Aber keine Sorge, is' nich' schädlich für Zwerge.”
Zwei Blicke wurden ausgetauscht, jede weitere Frage dazu wurde jedoch im Keim erstickt,als die Schankmaid eine große Platte mit etwas auf den Tisch knallte, das wie drei nässende Klumpen vernähten Fleisches anmutete. “Ach du Scheiße, was is'n DAS?!” Ameley schob sich instinktiv ein Stück vom Tisch weg und betrachtete mit entsetztem Blick, was da auf ihrem Teller lag. Art schmatzte. “Sieht aus, wie'n Säugling ohne Kopf, Arme und Beine..”
“Das meine Freunde, ist Häggis! Magen, Herz, Leber und Lunge vom Schaf zusammen mit Käse im Schafsdarm. Langt zu, es sieht seltsamer aus und riecht gewöhnungsbedürftiger, als es ist.”
Ameley legte langsam eine Hand vor den Mund, wärend sie die dunklen Klumpen betrachtete.
“Atemberaubend, hm?” Ticks grinste.
“Ja, 'ch b'n spr'chl'os” nuschelte die Gilneerin, leise Zischgeräusche verrieten, dass sie lediglich noch durch den Mund atmete.
“Gibs'm Hund, der Freut sich sicher.”
“Jetzt stellt euch nicht so an, “ grunzte der Zwerg, wärend Artjom zuvorkommend seine Portion an Ameley weiterreichte, “'s sieht eklig aus, aber es schmeckt wirklich gut.”
Ameley, die nicht unhöflich wirken wollte, griff zur Gabel, stocherte ein wenig im Häggis, klimperte mit jener auf dem Teller herum und künstelte etwas von “Mhm, ja, schmeckt wirklich interessant.”
“Ich bin blind, nicht blöd, Mädchen.” knurrte der Zwerg, wärend er über den Tisch langte und mit seinen Händen nach Ames Portion patschte. “Aaah ja, da liegt's noch. Gib dir'n Ruck, Mädel. 50 Silberne, wenn'de nen Happen isst!”
“Fünfzig?” Art schaute zu Ameley, deren Brauen unter ihrem schwarzen Haarschopf verschwanden, so hoch wanderten sie. “Komm schon Ame, fünfzig Anduins für'nen Bissen von dem Zeugs!”
“Aye, fünfzig silberne Anduinschnauzen. Dem Hund wird nichts gegeben!” Der Zwerg riss von seinem eigenen Häggis ein Stück ab und reichte es an Gordon weiter, der bereits mit der großen Nase auf dem Tisch gehangen und in Richtung des angeblichen Essens gerüsselt hatte und nun unter schlabbrigem Geschmatze unterm Tisch verschwand.
“Spieler gewinnen und Gewinner spielen.” gab Art noch zum Besten, wärend Ameleys Oberlippe angewidert nach oben wanderte, angesichts der dampfenden Klumpen grauer Innereien, ehe sie doch zu Messer und Gabel griff. Sich ein Herz fassend und angetrieben von der Aussicht auf das Geld, wurde ein Stück herausgeschnitten in den Mund gesteckt und zu überschlucken versucht.
Es mochte an der Vorstellung liegen, was genau dort gegessen wurde und wofür es einmal war, an den recht mangelhaften Manieren des Zwerges, der grade ein Handvoll gehackten Fleisches mit Käsestrang aus seiner Portion zog, oder dem rülpsuntermalten Geschmatze des Mastiffs, Ameleys Bissen blieb nicht unten sondern wanderte samt einer Portion der vorherigen Brote zu Gordon unter den Tisch. Der Zwerg brach in schallendes Gelächter aus, wärend Ameley, leicht weiß um die Nase wieder über der Tischkante auftauchte, ihr vierbeiniger Begleiter unter dem Tisch hingegen freudig Fiepte, hatte Frauchen ihm doch noch mehr zu Essen hingelegt.
“Trotz allem ein netter Anblick, aber es gilt nicht als gegessen, Fräulein.” Der Zwerg schien seine Freude zu haben, und lutschte sich nach seinem beendeten Mahl seine Finger ab.
“Ey, das war unten, entschied sich lediglich für die Rückreise! Fünfzig Anduins, aber dalli!”
Glucksend griff der Zwerg dann doch in seinen Geldbeutel und schob Ameley und Ticks das Silber entgegen. “Na schön, hast ja recht.”
Besser gestimmt nach diesem Gewinn, vertiefte sich das Gespräch wieder in Thematiken um Loch Modan, Nachtangeln und rote Wolken, bis Ticks urplötzlich mit dem Kopf ruckte und sich an die Stirn griff.
“Sag mal, hat dein Kumpel öfter nervöse Zuckungen.” Der Zwerg musterte Art mit unverhohlenem Interesse, wärend Ameley diesen mit etwas mehr Besorgnis im Blick musterte.
“Ticks.. alles gut?”
“Entweder war irgendwas im Fleisch oder mir hat soeben wer innen Kopf geschossen.” knurrte dieser lediglich, die Hand kurz musternd. Angesichts mangelnder Blutspuren schien der Kopfschuss eher unwahrscheinlich.
“Hat er temporäre, geistige Verwirrungszustände?” Der Zwerg starrte kurz auf das verschmähte Häggis, dann wieder zu Art.
“Nein... er's Allergiker.” Mit diesen Worten bugsierte Ameley Ticks auch bereits zu ihrem Zimmer, wärend dieser sich noch knapp verabschiedend an den Zwerg wandte.
“Danke für's Häggis Owepa, war sicher lecker.”

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BeitragThema: Re: Die Reise nach Arathor   Mo Jul 22, 2013 4:49 pm

Schon seit einigen Stunden waren sie wieder unterwegs und Ameley schlurfte hinter Ticks her, der zielstrebig voranschritt. Ihre Stiefel versanken bei jedem Schritt knöcheltief im Morast, der vor einer gefühlten Ewigkeit nahtlos an die Straße angebunden hatte und nun den zu begehenden Untergrund dominierte. Weder Art noch Ame sagten ein Wort, die letzte Unterhaltung war am Rande der schlammigen Einöde gewesen, die sie mit Nebel, trübem Licht und dem Gestank nach Sumpf- und Faulgasen empfing, was beide dazu veranlasste, ihre Tabakstängel zu Boden fallen zu lassen, bevor eine der Gasblasen im Schlamm um sie her auf die dämliche Idee kam, sich zu entzünden und der Reise ein plötzliches Ende zu bescheren. Wirklich Redebedarf bestand ohnehin nicht. Ab und an ein Aufmurren hier und ein Geseufze da, wenn einmal mehr die Hand ins Gesicht geklatscht wurde, um eine Mücke zu zermatschen, oder wenn zwei, dreimal kräftig mit dem Fuß geruckt wurde, um einen versunkenen Stiefel aus dem Schmadder zu befreien.
“Sag mal... sind wir noch auf'n Weg?” brach Ameley schließlich doch das schweigen, als Ticks fast geradewegs in einen Tümpel latschte, der bisweilen von einer Nebelbank vollkommen verborgen geblieben war und zurückschwankte.
“Das.. kann ich nicht wirklich sagen.” Sein Blick wanderte durch die Nebelsuppe, in der hier und dort Irrlichter wie die Fenster beleuchteter Häuser glommen und sie ins sichere Verderben zu führen versuchten. “Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, wo wir genau sind..”
Gordon senkte den massigen Schädel und knurrte, den Blick in den Nebel gerichtet, aus dem sich lediglich ein paar verkrüppelte Bäume abhoben.
“Was hast'n Dicker? Kommt hier gleich 'n Krokodil aus dem Wasser um's zu beenden?” Ameleys Interesse galt eher ihrem Mastiff, wärend Ticks nach vorne deutete. Eine magere Gestalt bewegte sich aus dem nebel auf sie zu. Strähniges Haar umrahmte ein verhärmtes, altes Gesicht und lichtete sich auf dem Schädel zur kahlen Platte eines in die Jahre gekommenen, alten Mannes, dessen abgewetzte Robe von seinen Schultern hing und bei jedem langsamen Schritt über den Boden schliff. Ameley legte instinktiv eine Hand an ihr Schwert und zischte Ticks ein “Cyne?” zu. Arts Blick fixierte sich auf den Kerl, der nach und nach näher kam und tatsächlich einem Untoten gar nicht so unähnlich schien.
“Ey, bist du'n Untoter?”
Der Alte blieb stehen und betrachtet die beiden. “Oh, Kinder, was treibt ihr hier so tief im Sumpf?”
“Was wir hier treiben? Was macht'n alter Sack wie du hier?”
“Nana... “ der Alte hebt mahnend den Finger, “Ich lebe in diesem Sumpf schon seit rund dreißig Jahren. Ihr habt Glück, dass ich euch vor der Sumpfbestie gefunden habe... verirrte Wanderer sind ihr Leibgericht.”
“Sumpfbestie?” die beiden sahen sich an, dann wieder den Greis. “Nichts von gesehen... sag' mal, isses noch weit bis Menethil?”
“Menethil? Ihr seid völlig auf dem falschen Weg, Kinderchen. Ich kann euch den richtigen Weg zeigen... wenn ihr meine Frage richtig beantwortet.”
“Frage?” Art schnaubte, “Ich will nach Menethil, keine Ratespielchen gewinnen... was soll's, wie lautet deine Frage?”
Der Alte lächelte ein recht zahnloses Lächeln, ehe er sich räusperte, hustete, nochmals räusperte und schließlich losleierte. “Was haben ein Greif und eine Steinmauer gemeinsam?”
Ratloses Schweigen.
“Wenn man mit ner Kanonenkugel draufschießt, gehen sie kaputt?” Ameley fragte eher zaghaft als überzeugt, woraufhin der Alte den Kopf schüttelte.
“Ihr müsst beide noch eine ganze Menge lernen. Kommt, ich bringe euch an euer Ziel.”
Der alte schlappte voran, wärend das Pärchen samt Hund folgte. Unterwegs erzählte er ihnen einiges über die Sümpfe, dass er schon lange hier sei und dass sein letzter Besuch vor einigen Jahren bei ihm gewesen sei.
“War ein netter Bursche, etwas schweigsam, aber er hörte mir lange zu. Ein lieber Junge, durch und durch. Wisst ihr inzwischen, was ein Greif mit einer Steinmauer gemein hat?”
“Sie haben gemein, dass sie nichts miteinander zu tun haben?”
“Netter Versuch Junge, aber nein. Soo, da wären wir.”
Vor ihnen versammelte sich eine Gruppe verkrüppelter Bäume, die ein kleines Lager einzurahmen schienen. Eine fledderige Decke, ein Gestell aus Stöckern und verbogenem Draht, sowie ein Kessel reihten sich um ein Lagerfeuer. Im Kessel selbst blubberte träge etwas vor sich hin, das wie Sumpfwasser mit einigen festen Stückchen darin anmutete.
“Was soll das? Wir wollten nach Menethil, nicht nach Klein…kleckers…dingens!” Art konnte seinen Unmut kaum verbergen.
“Nee, das hier ist nicht Menethil, aber schau dich mal um. Das wird Nacht und bis Menethil isses noch'n Stück. Bleibt hier, morgen bringe ich euch zur Stadt, ihr habt mein Wort. Und jetzt nehmt euch ruhig etwas von der Sumpfpilzsuppe... gut, ist mehr Sumpf als Pilz, aber sie ist gar nicht so übel.” Wie auf Kommando ließ der Eremit herzhaft einen fahren.
Grummelnd, aber auf die Hilfe des Alten angewiesen, wurden die Schlafsäcke ausgepackt, und sich für die kommende Nacht eingerichtet.
“Der letzte Junge, der mich besucht hat, wollte anfangs auch nur weiterreisen. Nach Sturmwind. Netter Junge war das, ein ganz lieber, netter. Und, seid ihr schon weiter mit meiner Frage, was ein Greif mit einer Steinmauer gemeinsam hat?”
“Sie gehen mir langsam beide ganz gehörig auf'n Sack?” brummelte Ameley, wärend der alte Einsiedler in der schlammigen Brühe im Kessel herumrührte und etwas von der Suppe schlürfte.
“Wisst ihr, mein letzter Besucher blieb ganze drei Wochen um von mir zu lernen.. netter Bursche, ich glaube er wollte Richtung Sturmwind..” Der Eremit ließ bei dem Anfall von senilem verkalken der Denkrübe einen weiteren Furz fahren.
Artjom schaute auf. “Sag mal...hast du Verwandte in Morogh?”
“Hrm.. nein, wieso?”
“Nur so..”





Durch den Nebel glommen allmählich die hellsten der Sterne am Nachthimmel, wenn auch nur als ein schwaches Zwinkern inmitten einer faulriechenden Suppe über dem trostlosen, lebensfeindlichen Land. Der Sumpf um sie herum schien in ein trauriges Schweigen versunken, lediglich durchbrochen von den leisen Schmatzgeräuschen Gordons, der sich über die als Proviant mitgenommene Portion kalten Häggis hermachte, sowie dem leisen Knistern des kleinen Feuers im Lager.
“Sag mal, Opa... wie lange bist du eigentlich bereits in diesem Sumpf, und warum?”
Ameley hatte es sich in Arts Schlafsack gemütlich gemacht, der ein Stück weiter stand und in die sonstige Stille lauschte.
“Mh? 30 Jahre sind's inzwischen.”
“30? Und wie alt bist du?”
“95 Jahre... hrm da fällt mir ein.. mein letzter Besucher.. hrm.. kanns sein das ich von ihm schon erzählt habe?”
„Dreimal.“ Die Antwort kam wie aus einem Mund.
„Oh, .. Entschuldig.. manchmal.. vergesse ich soetwas.. Aber er war auch ein netter Bursche. Hatte auch so eine komische Eigenart an sich.. Hat immer so ein komisches Geräusch gemacht wenn ich ihn was fragte.“
Art gähnte lautstark und murmelte etwas von wegen „Was'n für'n Geräusch?“
„Hrm.. wisst ihr was ein Greif mit einer Steinmauer.. hrm.. ja.. ich weiß nichtmehr wie es genau klang.. aber es erinnerte mich immer an Insekten..“
Der Alte kratzte sich mit einer der zitternden und knochigen Hände die von Leberflecken überzogene Platte, „Ich glaub es klang, wie das Geräusch wenn ich Furze.. hehehehe.. „
Art hob die Brauen. „Hum? Wie...Hummel? Hat der Kerl zufällig braune Haare gehabt? Zerwuschelt?“
„Jaja genau das war es.“
„Nicht sehr groß, dafür breit? Immer 'nen warmes Lächeln?“
“Ja.. viel Haar.. ja, genau.. und er trug so alte Lumpen und darunter Verbände.. schleppte auch einen Seesack mit sich rum. Aber hat daraus nie etwas gezogen.”
“Kenn' keinen auf den die Beschreibung passen würde.” Art zog sich einen Apfel aus dem Rucksack und biss hinein, wärend der Blick wieder ziellos durch den Nebel schweifte, der nicht ansatzweise die Güte hatte, sich zu lichten.
“Nicht? Zu schade.. wahrscheinlich hat ihn doch die Morastbestie erwischt. Schade.. er war so freundlich. Ich werde ein kleines Grab für ihn errichten.. ja, das werde ich.. nachdem ich euch nach Menethil brachte. Er half mir beim sammeln der Pilze, entfachte für mich das Feuer und leistete mir Gesellschaft, er meinte er ist auch ungern alleine.. es waren schöne drei Wochen.. Er erzählte zwar noch weniger von sich als ihr.. aber er hörte mir zu.”
“Muss 'n wirklich netter Kerl gewesen sein. Würd' ich auch gerne mal treffen wollen.”, nuschelte Ame aus ihrem Schlafsack hervor.
“Ist der Junge an deiner Seite denn nicht gut zu dir? Dachte ihr wärt' sowas wie Freunde.. wirkte so auf mich.. vielleicht irre ich mich ja.”
Die Antwort Artjoms kam trocken aus dem Dunkeln.“Wenn man nicht hinsieht, verdrischt sie mich.”
“Klappe Art, oder es knallt!”
Die Schwüle des Sumpfes unterdrückte die sich anbahnende gute Laune weiterhin mit der Kooperation der Mücken. Letzte Worte wurden gesprochen. Sterne betrachtet. Und das Pilzsüppchen des Eremiten gemieden. Eine lange Nacht sollte es werden, vorallem aber für die Gilneer. Wärend Ameley größtenteils mit Mücken zu kämpfen hatte, hatte Ticks sich selbst dem Schlaf vor Morgengrauen entsagt. “Ich halt’ Nachtwache.”, gab er im letzten Satz des Tages von sich.



Die Sonne tauchte erst spät hinter dem Nebel des nächsten Tages auf. Es war Nachmittags, als der Eremit Ame ansprach, Ticks zu wecken. Dieser war am Fleck und in sitzender Position im Laufe der Zeit eingenickt und sägte mittlerweile leise vor sich hin. Es war Zeit für die Weiterreise. Ein sachtes Rütteln, hervorgerufen durch Ameley holte Artjom schließlich aus dem Reich des Schlafes zurück in die Schwüle des Sumpflandes. Während beide Reisende vom einen oder anderen Mückenstich gezeichnet waren, schien der Alte jedoch unberührt. Munterer – zumindest geistig – als die Gilneer drängte er zum Aufstehen. Bald schon würde es wieder dunkel – und Menethil wartete. Schwer beladen, so schienen die zwei zumindest, trotteten sie dem Senilen nach, der mit Meter um Meter die sie sich der ‘’Stadt im Wasser’’ näherten stetig langsamer wurde. Zwischendurch blieb er stehen und stand einfach so da. Blicke wurden unter dem Paar ausgetauscht, ehe man sich zu Wort meldete. “Alles in Ordnung, Opa?”, fragten sie. Ein Abwinken war die Antwort, bevor er sich umdrehte und nur kurz lächelte. Dann bewegte man sich auch schon weiter. “Solltet ihr ihn treffen, richtet ihm meine Grüße aus. Er war so ein netter Junge.”, drang’ es schließlich aus dem dürren Hals des Eremiten. “Von?”, wurde im Duett gefragt. “…Väterchen Sumpf. Das war der Name, den er mir gab. Väterchen Sumpf.” Zögernd wurde genickt – dann nach vorne gesehen.
Da war es: Menethil. Das vorerst erste Ziel,das sowohl Artjom, als auch Ameley gnomische Technik, die Kälte Moroghs und schließlich die drückende Hitze und Tücke des Sumpfes durchstehen ließ. “Wisst ihr…wisst ihr was der Unterschied zwischen einem Greif und einer Steinmauer ist?”, fragte der Alte erneut. Genervt offenbar, abgelenkt vielleicht auch gab Ticks nur ein “Nä.” von sich. Kurz darauf wurde dennoch zurückgefragt. “Was ist der Unterschied?”
Als Ticks sich mit dieser Frage zum alten Mann umwandte, war dort nur noch…nichts übriggeblieben. Heiße Luft vielleicht, doch nicht mehr. Ame, die ebenfalls auf eine Antwort zu warten schien, wandte den Blick selbst zur Seite. Ratlos wurde sich umgesehen. Die einzige Spur die der Eremit in den Köpfen der Dickschädel hinterlassen hatte, schien diese Frage und die Erinnerung an ihn zu sein. Vorsichtig tippte Ame mit der Fußspitze auf den Fleck an den sich eben noch das Großväterchen befand, in der Vermutung ,er wäre vom Boden verschluckt worden. Ob er im Nebel verschwunden war? Oder in einem Moment der Unachtsamkeit wieder ging? Er erzählte davon, das Stadtleben sei nichts für ihn. Heuchelei allerorts. Mit diesem Gedanken ließen sie das plötzliche Verschwinden hinter sich und zogen über die Brücke – oder das, was eine darstellen sollte in Richtung des Stadtinneren.





Bereits jetzt waren an den Seiten haufenweise Leute zu erkennen, dessen lange Gesichter von Unglück sprachen. Während weiter innen Gezeter, Gekeife und Genörgel zu vernehmen war, erkannte man die Schemen die mit Sandsäcken bewaffnet gegen die Wassermassen zu kämpfen versuchten. Schließlich erreichte man dann jedoch die Taverne, welche nicht minder gefüllt von unzufriedenen Gesellen war, die dicht an dicht an den Tischen saßen und ‘eifrig’ Stehplätze spendeten. Am Tresen tauchte schon bald ein größerer Kerl auf. Das Bild eines Seemannes, der auf ‘charmante’ Art – zumindest so charmant wie ein ausgehungerter Grizzly im Zimmer – mit dem Zwergen hinter dem Tresen ins Gespräch kam. Dies entpuppte sich jedoch schnell als Alltag und Späßchen. Weniger ‘spaßig’ wurde es, als Ticks jedoch in einem Anfall von Genervtheit erneut sprach.
“Kaum sind wir den Eremiten los, kriecht schon die nächste Labertasche aus dem Loch.”
So wie das Gesicht des in Gelächter ausbrechenden Zwerges sich tomatenrot färbte, wich die Farbe dem Seebären aus dessen Gesicht. “Eremit? W-we-welcher Eremit?”, brachte er stammelnd hervor. “Väterchen Sumpf nannte der sich wohl. Brachte uns gestern in sein trautes Heim. Heut’ hierher. Wieso? Hatt’er was verbrochen?”, wandte sich der Gilneer nun zum Matrosen, dessen Blick gänzlich an Courage verlor, als der Name erwähnt wurde. Seltsam klar und eher warnend, als aufklärend brachte er schließlich mit einem direkten Blick zur Antwort: “Samuel heißt…hieß er. Der Dorfälteste. Als der Zahn der Zeit sich auch in seinem Kopf verbiss…verschwand er aus der Stadt. Sah sich mehr als Last, denn als Wohltat. Irgendsoein haariger Kerl kam irgendwann vorbei. Anstatt direkt weiterzureisen, blieb er jedoch. Genau drei Wochen…und kümmerte sich um Samuel. Er gab ihm den Namen Väterchen Sumpf. Eines Tages dann, fragte er nach einer Schaufel. Helbrek hier hat sie ihm gegeben. Sein Grab steht auf dem Friedhof. Seht es euch an, wenn ihr wollt. Wenn ihr…ihm danken wollt. Den Trubel da draußen haben wir dem Hochwasser zu verdanken. Die Straße war unpassierbar. Keine Chance.”
Ameley schien ein bisschen Blass um die Nase, ob des Gedanken einem Geist begegnet zu sein, wärend Ticks in seiner Sturheit nur ein “Pfff.” von sich gab. Dessen Aufmerksamkeit schwand jedoch, als eine etwas besser gekleidete, rothaarige Frau sich neben ihn stellte und breit lächelte. Die Miene Artjoms erhellte sich in ein bisher seltenes Maß, wärend die Mitreisende eher weniger begeistert von diesem Bild zu sein schien. Patty hieß sie – und war offensichtlich nicht nur die gesuchte Kontaktperson des Irren, sondern nebenbei auch noch eine Bekannte aus den Zeiten, in denen der große Wall noch keine Lücken aufwieß. Ein längeres Gespräch in einer wenig menschengefüllten Ecke folgte zwischen Artjom und Patricia, wärend Ame beschloss wieder dem Seebären zu lauschen.
“Arathor.”, erklang es eine gefühlte Stunde später hinter ihrem Rücken.
“Arathor?”, fragte sie teils verwundert, teils nachhakend. Ein Nicken war die Antwort. “Arathor. Da müssen wir hin.” Der Blick des Kerls schien verändert. Aus dem genervten Immernörgler, schien zum ersten mal dieser gewisse ‘Glanz’ aus den Augen, wenn jemand sich etwas in den Kopf setzte, das unbedingt erledigt werden musste. Eine vorerst letzte Nacht sollte noch im Sumpfland verbracht werden. Doch auch hier machte Murphys Gesetz ihnen einen Strich durch die Rechnung. Zumindest in einer Hinsicht. Begeistert polterte Ticks am nächsten Tag durch die Tür. Klatschnass und mit breitem Grinsen – fast wie ein kleines Kind wirkte er. “Aufstehen! Du verpasst noch den Regen!”, schallte es seltsam fröhlich. Ameley, die erst nicht recht zu begreifen schien, stapfte dann doch vor die Tür. Tatsächlich. Es regnete. Was in Sturmwind ein rares Ereignis war, schien hier fast Alltag zu sein – ebenso wie der Wasserspiegel, der sich wieder hob, als einem lieb sein mag. Doch das störte sie nicht. Einen Tag konnten sie warten, ganz sicher. Statt die Reise wie geplant fortzusetzen blieben sie einen weiteren Tag. Eine leicht veralterte Karte des Sumpfes wurde stattdessen besorgt, ein weiterer Brief an die so weit entfernte Familie verfasst. Ein Brief der fast von einem überglücklichen Blagen hätte stammen können, war der Hauptpunkt doch tatsächlich der Regen. Doch auch der Zweisamkeit wurde zum ersten Mal seit ihrem Aufbruch wieder Aufmerksamkeit geschenkt.
So wie die Hektik der gereizten Bewohner der Sumpfstadt wieder eintrat, stand das Gilneerpärchen in einer stillen Umarmung da – mitten im Regen. Eingetaucht in die kleine, heile Welt eines Psychopaten und seiner Geliebten.




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BeitragThema: Re: Die Reise nach Arathor   Mo Jul 22, 2013 7:21 pm

“Sag mal Ame... habe ich dir eigentlich erzählt, warum wir dem Kerl nach sind?”
Artjom stand an den Pfosten des Bettes gelehnt, das im kleinen Gästezimmer stand und schaute den letzten Tropfen des Platzregens beim Hinabrinnen an den Fensterscheiben zu.
Die Angesprochene indess kniete neben ihrem großen Rucksack auf den Bodendielen und schob ihrem schwarzen Mastiff ein paar Essensreste aus der Tavernenküche zu.
“Ist doch der, der deine Familie in die Scheiße geritten hat... also deine erste. Oder gehe ich grade vom falschen Kerl aus?”
“Ist er.. ist genauer gesagt dafür verantwortlich, dass es sie nicht mehr gibt. “ Ein unwirsches Fuchteln mit der Hand folgte, begleitet von einem “Auch egal.. Auge um Auge.”
Ameley erhob sich und trat an das Bett, das neben Art stand und ließ sich darauf fallen. Überkopf konnte sie nun aus dem Fenster sehen. Der Tag war über Menethil zur Neige gegangen. Der Regen hatte den meisten Nebel fortgewaschen und entblößte die Nacht nun klar,wie ein schwarzes Meer, gespickt mit endlosen Sternen.
“Er hat 'ne Familie sagtest du?”
“Mhm”
“Mhm..”
“Umso besser. Eigentlich sollte es nur um ihn gehen” Art verschränkte die Arme und etwas Seltsames lag in seiner Stimme. Für den Augenblick schweigend, wurde das Zigarettenetui aus der Westentasche gekramt, eine herausgenommen und angesteckt. Das Etui landete neben Ame auf dem Bett. “Soll die Sau sich fühlen, wie ich damals. Danach kann man ihn genau so gut umlegen.”
Der Gilneer nahm einen Zug von der Zigarette und atmete den Rauch in Richtung Fensterscheibe, wo er sich ablagerte und wieder im Nichts verschwand. “So hat das ganze noch den gewissen Pfiff beim Arschtritt des Schicksals.”
Ame stemmte sich mit den Ellenbogen in eine nahezu aufrecht sitzende Position. Ausdruckslos blickte sie Ticks an, ehe sie ungefragt nach seinem Etui griff und sich ebenfalls Zigarette und Feuer nahm.
“Du willst seine Familie vor seinen Augen umlegen?”
“Na.. nee..”
“Was dann?” Ame nahm auf dem Bett eine schneidersitzähnliche Haltung ein. Das Zimmer selbst war nur spärlich beleuchtet, weswegen sie Art nurmehr schemenhaft wahrnehmen konnte, dafür seine Stimme umso besser hören.
“Er soll sich fühlen, wie ich. Heimkehren und leere Hüllen vorfinden, die mal Personen darstellten, die er liebte. Ob nun platonisch, oder richtig.”
“Dir geht's nicht um ihn, hm?”
Art schwieg auf diese Frage hin nur. Ein weiterer Zug wurde von der Zigarette genommen, das Gesicht, das im Dunkeln verborgen lag, wurde vom blauen Dunst umspielt. Sein Schweigen hingegen schien für die schwarzhaarige Gilneerin Antwort genug zu sein, warum sie, entgegen ihrer sonstigen Art, weiterzubohren begann.
“Und was machst du dann? Warten bis ER DICH findet und ähnlich vorgeht? Denke nicht, dass er's als Quittsein ansehen wird.”
“Ich bin kein Anfänger... ich lass' das Bild wirken und murks ihn dann ab, “ der Gilneer wechselte das Standbein, verharrte ansonsten in gleicher Haltung weiter, “Erstmal müssen wir sehen, wann er daheim ist. Den Moment abpassen.”
“Mhm..”
Es herrschte einen Augenblick wieder Schweigen, abgesehen von Gordons leisem Gegrunze und dem Rascheln Ame's Kleidung, als sie sich, noch immer auf dem Bett sitzend so schob, dass sie Art besser betrachten konnte.
“Dir's bewusst, dass seine Familie mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, ja?”
“Was hatte meine Familie mit der Sache zu tun?”
Ame bewegte sich nicht. Lediglich ihre Zigarette glomm einmal hell auf und legte einen orangeroten Schein auf ihre Züge. Der Blick, der Art galt, trug eine ihm gegenüber selten dargebrachte Kühle in sich. “Genau so wenig.”
“Eben... Ausserdem..” Art nahm einen weiteren Zug vom Glimmstängel, betrachtete kurz wie gedankenverloren den Rauch, ehe er sich wieder dem Geschehen um sich herum widmete. Seiner Stimme lag eine unangebracht scheinende Trockenheit inne, als der Stummel zu Boden fiel und von einem schweren Stiefel ausgetreten wurde, “... die Leute kennen wir doch eh nicht.”
Ameley nickte nur schwach. Auch ihre Zigarettenglut fand ihren Tod, ausgedrückt am Pfosten des Bettes, wärend die letzte Rauchschwade nach oben stieg. Ein Gedanke, eine kleine Szenerie nahm vor ihrem inneren Auge Form an. Ein kleines Medaillon und darin... - der Gedanke wurde weggeblinzelt, das Wort wieder erhoben. “Du wirst wissen, was du tust... ich bin nicht mitgekommen, um dich an irgendetwas zu hindern. Aber erwarte eben nicht zuviel, alles klar?”
Sie sah ihn nicht an.
“Zum Beispiel?”
Ame atmete tief durch. Schüttelte kurz den Kopf, als wieder Bilder von vor einer gefühlten Ewigkeit Gesehenem vor ihren Augen Revue passierten. Eine lachende Sonne, ein blaues Pferd..
“Wie hoch ist die Chance, dass seine Frau eine Gilneerin ist? Seine Kinder werden es ohnehin sein... willst du unsere aussterbende Nation noch weiter dezimieren?”
“Keine Ahnung, interessiert mich auch nicht... und eine Generation Gilneer, die DER ins Spiel gebracht hat, naja...”
Er löste sich vom Bettpfosten, sowie seinen Blick nun endlich von Regentropfen und Rauchschwaden und ließ ihn stattdessen auf ihrer Gestalt ruhen. Mit starrem Blick fixierte sie den rußgeschwärzten Punkt im Holz, den ihre Zigarette hinterlassen hatte.
“Wenn du dich nicht daran beteiligen willst, kannst du jederzeit umkehren. Zwingen hierzubleiben werde ich dich nicht, aber lass' dir eins gesagt sein..”
Er ließ sich auf das Bett sinken, woraufhin sie ihre grünen Augen wieder auf ihn richtete. Seine Stimme wurde leiser, die Worte waren selbst für sie nur schwer zu vernehmen. Seltene Worte waren es, ehe wieder deutlichere, ernstere folgten.
“... diese eine Sache will ich jedoch erledigen. Wenn ich schon sonst nichts vorhabe mit meinem Leben.”
Ihre Lippen schmälerten sich ein wenig, weitere Emotionen blieben ihrer Mimik jedoch fern. Ein Glücksspielergesicht sondergleichen, ehe sie ein Nicken andeutet.
“Ich bin, wie gesagt nicht mitgekommen, um in dieser Sache hier deinen Schulterengel zu spielen, “ ein Mundwinkel hob sich, als sie ihn wie freundschaftlich mit der linken Schulter anstieß, “Scheiss auf Unschuld... Wenn es dir so wichtig ist, werde ich bei dir sein, mh?”
Ein Nicken gab es als Antwort, ehe beide wie ratlos nach vorne schauten, quer durchs Zimmer, wo Gordon leise schnarchend auf den Dielen des Zimmers lag.
“Man Ticks... JETZT würde mir mein alter Herr aber den Hals umdrehen.”
“Soll er's versuchen.”
Ame ließ sich schließlich zurückfallen, die Hände unter ihrem Kopf bettend und die Augen schließend. Wieder flossen Bilder vor ihr inneres Auge. Bilder von einem kleinen Medaillon und dem Bild darin, dass ein kleines Mädchen für seine Mutter gemalt hatte. In krakeligen Buchstaben hatte unter dem blauen Mutantenpferd und der gelben Sonne das Wort “Mama” in Blockbuchstaben geprangt. “Mama” hatte damals ihr Leben ausgehaucht, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Ame und ihre Schwester hatten sich damals geschworen, dass sich dieser Umstand nicht mehr wiederholen würde, wenn es sich vermeiden ließe. Doch das Versprechen war gegenüber Ticks ausgesprochen. Was er auch vorhatte und wie er entschied, ihr Wort hatte er.
Ein Wort, von dem sie noch nicht wusste, ob sie es bald bereuen würde.


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BeitragThema: Re: Die Reise nach Arathor   Mo Jul 22, 2013 7:26 pm





Trübes Sonnenlicht beschien die aufgewirbelten Nebelschwaden, als die Gilneer am nächsten Morgen ihre Reise fortsetzten. Keine hundert Fuß hatten sie wieder auf die schwer erkennbaren Wege gesetzt, als Menethil schon wieder von den Schleiern verschluckt wurde.
Art schlug einen Weg in Richtung Norden ein, dessen Wegweiser bereits vor langer Zeit verwittert zu sein schien.
“Hätte schwören können, da stand Dun'morogh..” gab Ame zu vernehmen, Ticks hingegen schien sich vollkommen sicher zu sein.

Weitere Stunden verstrichen, wärend sie der gewählten Straße folgten und die Umgebung nach und nach trockener zu werden schien. Die letzten Sümpfe blieben zurück, die Bäume wurden allmählich grader und kräftiger, bis sie zu einer gewaltigen Schlucht kamen, über die eine massive, aus Stein errichtete Brücke führte. Ein vorerst letzter Blick wurde über die Schulter geworfen, in stillem, aber freudigen Abschied für die Mücken und Insektenschwärme, die zurückbleiben durften. Doch schnell ging es weiter: Die Brücke vor ihnen entpuppte sich als Opfer der Zeit und des Krieges. Der linke Brückenabschnitt schien vor geraumer Zeit eingestürzt, Felsbrocken lagen teilweise mitten im Weg und auch das Geländer ließ sich teilweise vermissen.
Hinter dem Übergang erstreckte sich die weite Ebene des Arathihochlandes. Weiße, rote und blaue Wiesenblumen wiegten im sachten Wind. Von der erhöhten Position der Gilneer konnte man den einen oder anderen See ausmachen, sowie eine Herde Wildpferde die über die wogenden, hohen Gräser hinwegzugleiten schienen. Alles in allem ein schönes Reich, hätten die Zeichen des Krieges ihre Makel nicht in die Ebenen gebrannt: Im Westen konnte man die eingefallenen, einstmals sicher imposanten Mauern Stromgardes erkennen. Zwei Fleischwagen, sowie ein geborstenes Katapult der Verlassenen standen einsam in einer Senke, ein erkalteter Scheiterhaufen sprach von dem missglückten Vormarsch der Untoten in dieses Reich.
Zu ihrer rechten ragten hier und da hölzerne Barrikaden aus dem Gras, ein Orchelm, ein noch aufrecht im Boden steckender Speer, sowie die Überbleibsel kleinerer Lagerfeuer verrieten, dass hier vor kurzem noch Krieger die Nacht verbracht hatten.
Eine Patroullie gerüsteter Reiter kam den beiden entgegen. Die hochgewachsene Kavallerie musterte die Wanderer knapp, ehe ein “A'Arathor, Gilneer!” erklang. Die hochgewachsenen Pferde schnaubten kleine Wolken nebligen Nasses heraus, als die Reiter weiterzogen und bis auf Ticks’ sowohl überraschten, als auch verstimmten Gesicht wenig zurückließen.
Arathoer schienen Gilneer rasch zu erkennen, was ihm missfiel, waren beide Nationen doch nicht immer Bilderbuchverbündete gewesen.
An einer Kreuzung angekommen, schlich sich Ratlosigkeit auf Ticks’ Gesicht, welcher seine Nase noch einmal über die Karte des Sumpflandes hing – Ein Genie würde man ihn nennen, könnte er aus jener auch die Landschaft Arathors lesen. “Stromgarde im Westen, Kilkerry im Osten. Große Wahl an menschlichen Siedlungen haben wir hier nicht.”, sprach er dann schließlich über die Schulter zu Ame, die Karte noch immer geöffnet. “Wenn ich mich aber recht entsinne, hat’s Stromgarde vor einiger Zeit erwischt.” Ame hob zweifelnd eine Braue bei dem Geplauder, dass der ‘Reiseführer’ von sich gab, und sie zaghaft antwortete: “Dann…Kilkerry?”. Der Gilneer nickte.
Die von ihnen gewählte Straße zog sich über eine weite Strecke, über die man jedoch sah, dass sie in den Bergen im Osten über einen kleinen Pfad hinaufführte. Plötzlich, und mitten auf der Straße erklangen sie dann: Trommelschläge, die, so wie sich die beiden einig waren, sicher nicht von Menschen stammten. In der Ferne waren, zwischen wenigen lichten Bäumen Zelte ausgemacht, Pfeiler in der Erde auf dessen Spitzen abgetrennte Köpfe thronten. Was dort auch lebte, war sicher nicht freundlich. Die Schritte wurden schneller und sie gelangen schnell zum Aufstieg. Fluchend und rutschend arbeiteten sie sich vor, als einzigen Halt lediglich einige Holzplanken vorfindend, die zuvorkommende Bewohner schon vor langer Zeit dort angebracht zu haben schienen.
Unten angekommen öffnete sich vor den beiden die Küste Arathors. Die ersten bestellten Felder kündigten ein Dorf an. “Kilkerry” ließ sich vom einzigen Wegweiser an der Straße entnehmen.
Hochgewachsene, sonnengebräunte Feldarbeiter schauten von ihrer Arbeit auf, als die beiden schwer bepackten Wanderer samt Mastiff an ihnen vorbeizogen.
Irgendjemand schien ins Dorf vorgelaufen zu sein, um die Bewohner über den Besuch zu informieren, denn die Dorfälteste empfing sie vor dem Eingang mit misstrauischem Blick.
“A'Arathor!” schallte es ihnen urplötzlich entgegen, als das Empfangskomitee, welches scheinbar aus dem halben Dorf bestand ihnen entgegenbrüllte, woraufhin beide mit unverhohlener Neugierde angestarrt wurden.
“Erm.. “
Ein Augenblick der Stille herrschte, ehe ein zaghaftes “A'Arathor” als Antwort zurückgegeben wurde und die Menschenmenge sich wieder löste um ihrer Arbeit nachgingen. Lediglich die Älteste widmete sich noch den beiden.
“Gilneer.. hier? Was treibt euch zurückgezogenes Pack nach Kilkerry?”
“Abend auch, gute Frau.. wir, eh... sind nur auf der Durchreise und suchen für die Nacht eine Bleibe.” Ameleys Stimme verebbte bei dem Blick, den die Alte ihr zuwarf, bis sie sich wieder räusperte und von neuem begann. “Sieht man uns das Gilneerdasein so sehr an?”
“Blasse Nasen, die Zunge mit der ihr sprecht, dunkles Haar und grimmige Gesichter, als könne man es euch nie recht machen. Ihr zwei wisst ja nicht, wie gut wir euer Volk kennenlernen mussten.”
Die Alte sprach in einem recht verbitterten Tonfall, auch wenn sie es mit einem Lächeln versuchte.
“Ticks, ich glaube 's is besser, wenn wir ausserhalb übernachten..”
“Nichts da, wir mögen zwar nicht die besten Freunde gewesen sein, aber Gastfreundschaft zeichnet Arathor aus... legt euch hin, wo ihr wollt. Wenn ihr etwas braucht, gebt bescheid. Und wascht euch! Ihr zwei stinkt am ganzen Körper wie'n Ogermaul..”
Mit diesen Worten wurde sich umgewandt und die Arme geweitet.
“Heißt sie willkommen. Behandelt sie so, wie ihr eure Brüder und Schwester behandelt. Sie.. ,” Ein ernster Schulterblick traf beide, “werden es auch tun.”



Ihr Lager schlugen sie unter einer Gruppe Bäume auf. Geschützt vor den Blicken der Bewohner und ganz besonders der Ältesten, wurden zum ersten Mal seit Tagen wieder sämtliche Kleider beiseite geworfen und sich ausgiebig gebadet.
“Gib' mal die Seife rüber, wenn du fertig bist.” ließ Art ein Stückchen weiter vernehmen.
Ame, die Augen voller Seife, peilte in etwa Arts Mitte an, der ebenfalls nur die Hand ausstreckte. Ein lautstarkes “Aaargh!” ließ jedoch vernehmen, dass etwas anderes getroffen wurde, als die Hand des Gilneers. Fluchend stand dieser auf, keifte noch etwas in ihre Richtung und schlurfte aus dem Wasser, ein kleines Rinnsal roten Blutes an der rechten Schläfe.
Etwas irritiert und auch eine Spur beleidigt, tauchte Ame unter, wusch sich die Seife aus den Haaren und ließ sich absichtlich einiges an Zeit, ehe sie wieder mit zum Lager zurückkehrte.
“Habe ich dich schlimm erwischt?”, fragte sie eher beiläufig, wärend Hemd und Hose angezogen wurden. Art, der ein Stückchen weiter bei seinem Rucksack kniete, antwortete nicht. Lediglich sein leichtes Schulterzucken war zu bemerken.
Ameley seufzte, warf das nasse Haar zurück und kniete sich neben ihn, mit der linken Hand sein Gesicht etwas zu sich drehen wollend, dass sie die kleine, rot blutende Platzwunde über dem Auge besser betrachten konnte. Art spannte sich bei ihrer Berührung an und riss den Kopf weg. Wieder zuckten seine Schultern, als ob er ein Lachen unterdrücken würde. Ame schnalzte genervt mit der Zunge und probierte es nochmal. “Hör' auf mit dem Unsinn, lass' mal sehen.”
Als das hyänenartige Kichern erklang, hätte Ameley fast erschrocken aufgeschrien. Ihre Hand zuckte zurück, als ob sie sich verbrannt hätte und sie schob sich rasch von ihm weg.
Ticks, der seinem Namen wieder alle Ehre machte, sackte daraufhin lediglich zur Seite weg, blieb unter diesem seltsamen Gekicher und unbewussten Zuckungen einfach liegen.
Sich vom ersten Schrecken wieder erholend, griff Ameley nach ihrer festeren Lederkleidung, sah sich beim Umziehen nach etwas um, womit sie ihrem Gefährten helfen konnte.
Die Medizin vom Dok war schnell gefunden, die Verabreichung angesichts eines sicher bald schnappenden Kerles jedoch nicht so einfach, bedachte man den Umstand, dass niemand genau wusste was passierte, wenn Artjom Ameley erwischen würde.
Ihren Fluch in Gedanken nutzloser Weise verdammend, kramte sie ihre Rationen aus ihrem Rucksack, zerrte Gordon, der bereits auf halbem Wege war, Herrchen zu helfen oder zumindest tröstend zu beschlabbern, an einen nahen Baum und setzt sich ein Stück abseits neben Ticks ins Gras. Mangels eines besseren Planes, warf sie diesem ein paar Streifen trockenen Fleisches zu, welche auch wie gierig mitsamt einigem an Gras und Erde zu Arts Mund geführt wurden.
“Wenigstens isser beschäftigt..” , seufzte sie, als die erhoffte Wirkung nicht eintrat, sondern Art weiterhin zuckend auf dem Boden lag.
Es dauerte eine kleine Weile, in der Ame in sicherem Abstand an einen Baum gelehnt saß und ihren Freund betrachtete, ehe dieser unter Husten und Würgen Fleisch, Gras und Dreck auf den Boden spuckte und sich halbwegs aufsetzte.
“Willkommen zurück.” , sie erhob sich schließlich und wanderte samt einer Phiole mit Medizin, einem Verband und Wundalkohol zu ihm rüber, wärend er etwas fragend die zerkauten Stückchen von Ameleys Ration musterte. Diese widerum begann seine kleine Wunde zu versorgen, sowie ihm das Serum des Doks zu verabreichen. Zumindest die nächsten Tage würde halbwegs Ruhe vor Anfällen herrschen.



Der laue Sommertag war bereits vorangeschritten, die Sonne hatte ihr Zenit längst überschritten, als Ameley von einem sachten Kitzeln im Gesicht geweckt wurde. Anders als zuerst angenommen, ließ sich kein frecher Sonnenstrahl, der seinen Weg durch das Blätterdach über ihr gebahnt hatte mit der Hand abschirmen, da der Missetäter des Weckens nur wenig von ihr entfernt saß. Art hatte es sich nicht nehmen lassen, mit zwei Fingern über ihre Wange zu streichen, um ihrem tiefen Schlaf ein allmähliches Ende zu bereiten.
“Morgen Schönheit. Wird Zeit, dass wir weiterziehen.”
“Schon?” Die Antwort kam verschlafen, wärend die Gilneerin mit einer Hand ihre zerwuselten Haare ordnete, in denen sich der eine oder andere Grashalm verfangen hatte.
“Mhm... wir sollten heute unser Ziel erreichen. Weit kann es zumindest nicht mehr sein. Und je eher wir die Sache erledigt haben, desto eher können wir wieder heim, hm?”
Art schien eine seltsam gute Laune an den Tag zu legen. Der Kerl lächelte sogar, wärend er seinen großen Reiserucksack schulterte und den Eindruck machte, als habe er bereits vor Stunden alles zusammen gepackt unter der kindlichen Vorfreude, endlich weiterziehen zu können.
Schmunzelnd über so viel Enthusiasmus schlüpfte Ame aus ihrem Schlafsack und hinein in ihre Stiefel. Noch ein wenig träge von der langen Schlafphase wurde das eigene Lager zusammengeräumt und verstaut, ein kleiner Schluck aus dem Wasserschlauch genommen und ansonsten auf ein ausgiebigeres Frühstück verzichtet. Die Ration wieder verstauend, fiel ihr Blick auf etwas, das ihrer Aufmerksamkeit am Vortag scheinbar gänzlich verborgen geblieben war.
Nur unweit von ihrem Schlafplatz und ein wenig vom Zweig eines Busches verborgen, ragte ein kleines, hölzernes Kreuz aus dem Boden. Etwas, ebenfalls hölzernes, lag davor im niedrigen Gras. Fragenden Blickes hob sie mit linker Hand das klotzige Ding auf, wärend die rechte den Namenszug auf dem Kreuz freikratzte, dem im Laufe der Zeit einiges an Grünspan und Schlick zur Gesellschaft gekommen war.
“Sag mal Ticks... wie hieß der Hund von Amy nochmal?”
“Hm, was? Keine Ahnung... irgendwas mit B meine ich.”
“Bozworth?”
“Hm? Ja.. Jaaaah.. kann sein, warum?”
Ame sah wieder zum kleinen Holzkreuz, das die Stelle markierte, wo offensichtlich der im Krieg um Arathor gefallene Mastiff Amy's begraben lag. Ihr Blick wanderte weiter zu ihrem eigenen, geliebten Vierbeiner. Gordon hatte die Nase ins Gras gedrückt und schubberte diese im Grün, entweder juckte es ihn ganz fürchterlich, oder es gefiel ihm einfach. Vielleicht hatte er auch nur etwas interessant riechendes zum dran reiben gefunden, wer wusste das schon.
Ame hob die Mundwinkel, stellte den liebevoll geschnitzten, hölzernen Hund wieder über das Grab und richtete sich auf. Bozworth' Abbild saß nun wieder wie ein leicht ergrauter Wächter im Gras, ein Anblick, der Ameley teils lächeln ließ, teils mit Trauer erfüllte.
“Wollen wir?”, riss Ticks' Stimme sie aus Gedanken an daheim und Personen, mit denen sie bisher weniger gesprochen und über die sie weniger wusste, als ihr wohl lieb war und bewegte sie dazu, sich umzuwenden. “Err... ja, klar. Gehen wir.”
Kilkerry verschwand ebenso schnell hinter den steilen Hügeln am Rande Arathors, wie es am Vortag bereits aufgetaucht war. Der Wegweiser war der letzte Hinweis darauf, dass in der grasreichen Landschaft noch mehr Zivilisation existierte, als verlassene Kriegsgerätschaften und ehemalige Lagerstätten, ehe auch er sich in der Ferne verlor und die Gilneer wieder der gewundenen Straße durch die Ebenen folgten.
Einige Stunden wurden schweigend auf diese Weise verbracht, lediglich durchbrochen von Ame's gesummten Schatz an gemerkten, gilneeischen Volksliedern und Art's abfälligen Bemerkungen über eine wunderschöne Allee inmitten Arathors, als sie beide in der Ferne das Glitzern von Wasser bemerkten. Zu eingeschlossen von Land und zu still, alsdass es ein Fluss oder das Meer sein konnte, ließ es nur noch eine Vermutung offen: Sie hatten den besagten See erreicht, an dem der Grund für ihre Reise mit seiner Familie ein neues Leben angefangen hatte.







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BeitragThema: Re: Die Reise nach Arathor   Di Jul 23, 2013 1:41 pm

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