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 Willkommen in der Halsabschneidergasse

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Ameley
Gildenführung
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BeitragThema: Willkommen in der Halsabschneidergasse   So Nov 08, 2015 1:53 am




Familie
das bedeutet, keiner bleibt zurück oder wird vergessen.
~ David Ogden Stiers


______________________________________________



Dunkel und verlassen öffnet sich die Halsabschneidergasse vor jedem, der die Taverne "Schattenspiele" durch den Hinterausgang verlässt, verfolgt von den misstrauischen Blicken des Wirtes Quincy.
Die rattenverseuchten Hinterhöfe werden von den hohen Mauern der anliegenden Häuser eingeschlossen. Vom Ruß des Zwergenviertels geschwärzt, kalten Gefängnismauern gleich. Den einzigen Ausweg bildet die Tür zurück in die dunkle Taverne.
Einige wenige Hauseingänge durchbrechen ab und an die schmucklosen Hauswände, deren Fenster meist mit den Läden fest verschlossen wurden, nur Schwärze verkünden oder in einem kläglich gescheiterten Versuch der Gasse Leben einzuhauchen mit Blumen und Vorhängen dekoriert wurden.
Beim ersten Schritt in diese feindliche Umgebung flüchten die Ratten aus dem Licht der mitgeführten Laterne. Verschwinden in die dunkleren Ecken zwischen Kisten und Fässern, rascheln durch das Laub der kümmerlichen Bäume davon, die dereinst hier gepflanzt wurden. Ein weiterer, kläglicher Versuch der Verschönerung. Ästhetik ist hier keinen Pfifferling wert.

Hier ist die Heimat von Münze und Klinge.
Hier leben jene, die zu reich sind für die Gosse und zu verrufen für die gehobene Gesellschaft.
Wer sich hierhin verirrt, sucht Arbeit, ganz gleich, über welchen seiner Schatten er springen muss. Welchen Abgrund der Menschlichkeit er durchqueren wird.
Oder er sucht nach Verbündeten. Andersdenkern und Systemabgewandten, die des Königs Gesetze als Fesseln betrachten, die einjeden, der sich nicht wehrt an das Mühlenrad Sturmwinds ketten, das sich gnadenlos weiterdrehen wird und dich begräbt, wenn du nicht Schritt halten kannst.





______________________________________________


Er sucht nach einer Heimat. Einer Familie.
Menschen wie einem selbst, die miteinander kämpfen. Miteinander verlieren, erreichen, streiten, trauern, siegen, leben und sterben.
Zusammenhalt, geschaffen durch die Gier der Obrigkeit.
Verbundenheit in einer Stadt ohne Hoffnung auf Barmherzigkeit.
Münzen und Klingen, die hinter dir stehen, als Bollwerk gegen die Menschlichkeit.


______________________________________________


Meine Schritte hallen an den Mauern wider, als ich mich einem der Hauseingänge am Ende der Gasse nähere.
Kein Licht dringt aus den Fenstern im Erdgeschoss.
Dennoch stehen zwei Gestalten links und rechts vom Häusereingang. Ihre Kleidung wirkt abgewetzt und schlicht gehalten. Beide sind bewaffnet.
Einer der Männer fässt mich ins Auge, wie ich mich mit meiner kleinen Laterne nähere. Versperrt mir den Weg.

"Münze und Klinge zum Gruß, Fremder,...", wird mehr gemurrt, als gesprochen. "Wer bist du?"
Ich sage meinen Namen. Setze an, mein Anliegen zu nennen, als mir der Mann ins Wort fällt.
"Was du willst interessiert mich nicht. Und der Boss wird bereits alles wissen. Wenn es mehr gibt, fragt er dich selbst."
Der Weg wird freigemacht. Ich werde wohl erwartet.
Meine Laterne fester umfassend steige ich die kurze Treppe empor und betrete das Gebäude durch eine schwergängige Tür.





Der Raum ist rauchgeschwängert und nur schwach durch einen dreiarmigen Leuchter auf dem Tisch erhellt.
Warum selbst dieses spärliche Funzeln nicht durch das Fenster zu sehen war, wird beim Anblick des von Innen mit einer Metallplatte verschotteten Fensters klar.
Ein schwarzer Mastiff liegt unweit der Tür. Dunkle, gemeine Augen beäugen mich und mein Handeln aufs Schärfste.
Eine Handvoll Menschen befindet sich mit im Raum, die Blicke auf mich gerichtet. Beinahe wünsche ich, nur mit dem Hund reden zu müssen.
Eine schwarzhaarige Frau kommt vom Tisch her ein Stückweit auf mich zu. Vom Boss selbst keine Spur.






"Hast du es also gefunden? Willkommen in der Halsabschneidergasse."
Ich nicke und stelle mich abermals vor. Diesmal auch mein Anliegen. Ich suche Arbeit, welche ist gleich. Hauptsache Gold und etwas Sicherheit.
Ich zögere. Mein Verliesaufenthalt ist noch nicht lange her.
Bewaffneter Überfall und Erpressung. Nichts, das einen für Arbeitgeber attraktiver macht. Doch meine Gegenüber nickt lediglich.

"Was hast du uns zu bieten?"
Zu bieten? Ich kann mit einem Messer umgehen. Ein Gewehr laden. Kräftig bin ich auch vom Werk eines Tagelöhners. Lesen und Schreiben? Sicherlich nicht.
Ich kann meinen Mund halten und hege wenig Empathie gegen diese Kloake von Stadt. Hier, wo der Adel fett und die Arbeiter mager sind. Wo ein Exhäftling auf das Bettlertum hoffen darf. Ganz gleich, ob er Familie hat.
Jene erwähne ich allerdings nicht.
Die Schwarzhaarige nickt. Aus Gilneas, eindeutig.
Ich soll zur zehnten Stunde vor den Stadttoren sein. Bewaffnet und in leichter Rüstung. Alles weitere werde ich später erfahren.

"Die beiden dort..," fährt sie fort, ".. sind zwei unserer so genannten "Klingen", die Beschützer unserer kleinen Familie. Man erkennt sie an den roten Dolchen. Sie haben das Sagen, solange von den Bossen keiner da ist. Alles was keine Klinge trägt, hat hier einen Scheiss zu melden, als Neuling bist du allerdings sogar denen noch untergeordnet. Versteht sich, hm?"
Ein klimpernder Beutel wird mir zugeworfen, den ich etwas verblüfft fange.
"Ein kleiner Vorschuss für eine anständigere Ausrüstung als den Fummel, den du da trägst. Investiere ihn besser auch darin. Kriegen wir mit, dass du das Gold versoffen hast, holen wir es uns natürlich mit entsprechendem Zins zurück. Und keine Sorge, wir finden dich schon." Sie zwinkert mir verschmitzt zu.
"Willkommen beim Bündnis von Münze und Klinge, Anwärter."
Ich neige dankend den Kopf und sie geleitet mich zur Tür, durch die ich wieder auf das dreckige Kopfsteinpflaster der Gasse hinaustrete. Die Türsteher würdigen mich keines Blickes.
"Sichere Wege, mein Freund," werde ich lächelnd von ihr verabschiedet, "Meine Grüße an Eugenia."
Die Tür fällt zu.
Das lief besser, als gedacht. Das Gewichts des Geldsäckchens spricht für sich. Wer auch immer diese Leute sind, da steckt eine Menge Gold dahinter.
Ich habe kaum den Hintereingang der Schattenspiele erreicht, als mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft.
Woher kannte sie die Namen meiner Frau?!



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